Gaucho Trail Motor Challenge 07.11.2026 - Day 6: Non-Driving Day in Foz do Iguacu (ausserplanmässig)
Noch gestern Abend geschrieben:
Am Nachmittag habe ich weitere Wäsche gewaschen, denn ich reise ja nur mit einem Handgepäck-Rollköfferchen. Trotzdem habe ich immer alles Nötige dabei. Das klappt bestens: Alles auswaschen, die Unterwäsche aufhängen und die Leibchen eine Stunde in die Badetücher einwickeln, später aufhängen und am Morgen ist alles trocken
. Ich staune immer wieder, mit wie viel Gepäck einzelne Teams reisen. Entsprechend genervt sind sie, wenn das Hotel nur mit einem Shuttle-Bus erreicht werden kann ...
Ab ca. 17:30 Uhr war ich draussen an der Bar und habe friedlich eine Pfeiffe geraucht. Zuvor habe ich den nahe gelgenen Wasserfall besucht, der deutlich grösser als unser Rheinfall ist. Dadurch, dass es kaum deutsch sprechende Teilnehmende hat, setzte ich mich bewusst zu den englisch sprechenden Personen hin, resp. diese setzen sich zu mir. Dank meinen neuen - wirklich guten - Hörgeräten bekomme ich viel mit und wenn ich etwas nicht verstehe, liegt es nicht am Hören, sondern am Verstehen, was bei Amerikanern aus der Gegend Texas / Wyoming schnell passieren kann. Aber irgendwie klappt es immer und wir hatten einen vergnüglichen Abend. Im Gegensatz zum Weisswein ist der Prosecco ausgezeichnet und gut geniessbar, trotzdem habe ich es bei 2 Gläsern bewenden lassen. Werde ich langsam alt oder einfach etwas vernünftiger
? Die anschliessende spontan organisierte Rotwein-Degustation habe ich ausgelassen, ebenso das Nachtessen und war um ca. 22:00 Uhr schon im Zimmer um zu schreiben.
Für morgen sind starke Regenfälle mit Gewittern angesagt. Bei Lust und Laune werde ich mit dem Shuttle zum Parkplatz fahren um zu prüfen, ob 'Luisa' nun auch bei Regenwetter anspringt. Im schlimmsten Fall könnte ich meinen Original-Occasion Ersatz-Anlasser montieren, aber ich bin jetzt zuversichtlich, dass es auch ohne geht. Ich könnte auch meine Tripmastersonde wechseln, aber nur, wenn es nicht regnet, da alle Fahrzeuge im Freien stehen. Also kein Stress!
Heute Morgen kam beim Outdoor-Frühstück Besuch vorbei: Eine Mischung aus Waschbär, Opossum und Königspudel erklomm bei einem japanischen Besucherpaar in einem unbeobachteten Moment behende den Frühstückstisch und stahl Früchte vom Tisch. Das Gekreische und die Aufregung waren gross, doch die Kellner - offensichtlich vertraut mit solchen Situationen - blieben ruhig und verscheuchten das Viech mit Händeklatschen. Das japanische Paar hat sich dann mit der Zeit beruhigt und vorsichtshalber einen neuen Tisch im Innern des Restaurants bezogen ...
Inzwischen hat es zu regnen, blitzen und donnern begonnen und zwar nicht nur 'es bitzeli'. Wenn es da unten los lässt, dann aber heftig und zwar in Sekundenschnelle. Innert weniger als 1 Minute standen alle hoteleigenen Gartenwege unter Wasser. Der Weg vom und zum Frühstückpavillon geht nur ohne Bedachung durch den grossen Garten, aber man kann an den Endpunkten bereit gestellte Regenschirme mitnehmen und wieder stehen lassen. So bleibt man wenigstens von oben her trocken, während man unten in mehr oder weniger geeigneten Schuhen durch die Pfützen watet. Aber so schnell, wie der Regen einsetzen kann, hört er auch wieder auf, fast von einer Sekunde auf die andere!
Brasilien ist wohl ein interessantes Land, allerdings habe ich in den letzten 3 Tagen noch so gut wie nichts davon gesehen (im Verhältnis zur Gesamtgrösse). Alles wächst üppig und ist grün, an Wasser scheint es nirgendwo zu mangeln. In den Städten und Döfern gibt es auffallend viele Strassenhunde, dafür habe ich noch keine Katze gesehen (komisch
).
Die Infrastruktur wie auch der Zustand der Strassen ist mässig bis gut, aber dann und wann liegen tiefe Schlaglöcher in den Strassen und wer so eines aus Versehen erwischt, muss sich Sorgen um Fahrzeug und Gebiss machen!
Das Einhalten der erlaubten Geschwindigkeiten wird recht konsequent verfolgt: Einerseits mit gut signalisierten Geschwindigkeitskameras, andererseits mit happigen Bodenschwellen, welche häufig nur schlecht markiert sind und kaum Geschwindigkeiten über 20 km/h (Lastwagen 10 km/h) zulassen. Das bremst den Verkehr zügig ein!
Für mich nicht ganz nachvollziehbar sind solche Schwellen am Anfang, resp. Ende von grossen Steigungs/gefällstrecken. Vermutlich weil die brasilianischen Lastwagenfahrer ihre Fahrzeuge den Berg hinab ausrollen und damit die Dörfer viel zu schnell passieren liessen, wurden diese Schwellen - damit man sie auf der anderen Spur nicht umfahren konnte - auf der ganzen Strassenbreite eingebaut. Mit dem Effekt, dass bergabwärtsfahrende Lastwagen am Ende der Gefällstrecke voll in die 'Eisen' steigen müssen, während bergaufwärtsfahrende Lastwagen zu Beginn ihrer ansteigenden Strecke den ganzen Schwung verloren haben, (fast) neu anfahren müssen und bis zum Ende der Bergstrecke nicht mehr über 20 km/h hinauskommen
.
Wie schon früher in anderen Ländern festgestellt, leide ich auch hier in Brasilien an temporären Sehschwächen, was das Auffinden von Sicherheitslinien und Überholverboten betrifft. Auch andere Rallye-Teilnehmende sind davon betroffen, es muss sich da um eine hobbyspezifische Eigenheit handeln
.
Allerdings sind die Markierungen nicht immer ganz eindeutig: Wenn von der Beschilderung her ein Spurwechsel explizit erlaubt ist, hat es trotzdem durchgezogene Sicherheitslinien. Vermutlich wird sich das dannzumalige Markierungsteam gedacht haben: Wenn die Maschine schon so gut läuft, dann ziehen wir das durch, im wahrsten Sinne des Wortes!
Die Einheimischen sind alle ausnahmslos freundlich, an unseren Fahrzeugen interessiert und winken uns überall fröhlich zu. Man spürt eine andere Lebensfreude als bei uns, obwohl die Lebensbedingungen wohl deutlich schwieriger sind. Trotz verhältnismässig günstigen Kraftstoffpreisen tanken die Brasilianer immer nur knapp 10 Liter Benzin aufs Mal. Wenn dann so ein Schweizer gleich 120 Liter aufs Mal 'einpackt', leuchten die Augen des Tankwartes!
Die brasilianischen Damen sind - vor allem solche aus besseren Schichten - alle sehr attraktiv und wissen, damit umzugehen. Manchmal kommt schon der Verdacht auf, dass an Fahrgestell und Karosserie Modifikationen gemacht wurden, aber das tut der Ansehlichkeit keinen Abbruch. Interessant scheint mir auch die Tatsache, dass mit ganz wenigen Ausnahmen alle mindestens dunkel- bis schwarzhaarig sind. Es gibt kaum natürliche Blondinen und nur wenige färben ihre Haare blond. Es heisst ja: Andere Länder, andere Sitten!
Inzwischen habe wir neue Informationen erhalten: Morgen geht es also defintiv wieder los und wir reisen als Erstes in Argentinien ein. Dann geht es weiter bis in die Nähe von Posado, wo wir in zwei getrennten Hotels übernachten. Evt. wird es noch die eine oder andere Sonderprüfung geben. Damit alles reibungslos klappt, müssen wir sofort unsere Carnets de Passage an der Hotel-Rezeption abgeben. Also werde ich das jetzt tun, einen Kaffee trinken und eine Pfeiffe rauchen
.
Die Religion in Brasilien ist von einer tiefen geschichtlichen Prägung, einer großen Vielfalt und einem starken Wandel gekennzeichnet. Offiziell gilt Brasilien seit der Gründung der Republik im Jahr 1889 als laizistischer Staat mit herrschender Religionsfreiheit, doch der Glaube spielt im Alltag, in der Kultur und in der Politik eine zentrale Rolle. Das zeigt sich in beinahe unendlich vielen Strassenständen entlang den Schnellstrassen, wo man Marienbilder und Jesusskulpturen in allen Grössen, Farben und Formen kaufen kann. Definitiv nicht jedermanns Geschmack!
Wie ich erst heute erfahren habe, hat der Bentley mit der Startnummer 1 - ein Vater-Sohn Team - am 3. Tag unfreiwillig die Botanik aufgesucht. Der Sohn ist unverletzt geblieben, während der Vater neun Rippen gebrochen, aber offenbar keine schwerwiegenden inneren Verletzungen davon getragen hat. Die umittelbar in der Nähe mitfahrenden Rallye-Aerzte konnten schnell Erste Hilfe leisten. Er ist auf dem Weg zur Besserung und hat sich heute selber aus dem Spital gemeldet. Es ist also nochmals alles relativ glimpflich ausgegangen - zum Glück!
Auch das Team mit der Startnummer 10 - der aufgemotzte Chevrolet Fangio, welcher mir nicht so gefällt - ist bis heute ebenfalls nicht zur Rallye zurückgekehrt. Das ist aber ein argentinisches Team, vielleicht stossen die wieder zu uns, wenn wir in Argentinien sind und sie ihr Fahrzeug reparieren konnten.
Und soeben habe ich erfahren, dass die Frau eines neuseeländischen Teams wegen gesundheitlichen Problemen innerhalb ihrer Herkunftsfamilie nach Hause gereist ist. Ihr Mann wird nun - gemäss meinem Vorbild
- alleine weiterfahren.







Michael Strasser 07.11.2026, 23:10
Zum Glück kein großer Personenschaden, aber 9 gebrochene Rippen sollten einen immer daran erinnern, dass es um nichts geht und die Gesundheit und Sicherheit immer an Erster Stelle stehen müssen.
Safe Drive
Eve & Michael