Gaucho Trail Motor Challenge 06.11.2026 - Day 5: Non-Driving Day in Foz do Iguacu
Gestern Morgen ist 'Luisa' wieder problemlos angesprungen, dabei habe ich mir bei der Parkplatzsuche so Mühe gegeben, 'Luisa' notfalls anrollen lassen zu können. Bezüglich der Tripmaster habe ich mich anders organisiert, der Wechsel der Sonde hat also keine Eile. Zuerst möchte ich herausfinden, woher diese temporären Stromunterbrüche kommen (nur beim Starten, während der Fahrt laufen alle Systeme einwandfrei.
Die Regularities waren auch gestern anspruchsvoll mit tricky Abzweigungen! Mehr als die Hälfte sind vorgestern wie gestern falsch gefahren und der Ausfall meines Tripmasters an der vorgestrigen 2. Regularity blieb ranglistenmässig ohne Folgen! Gestern sind mir die Regularities recht gut gelungen, auch wenn ich an einem Timingpunkt 10 Sekunden zu früh war. Es ist manchmal recht schwierig, beim ständigen Gehopper die Zeiten richtig abzulesen, also muss ich viel nach Gefühl fahren. Aber einmal mehr zeigte sich: Navigation first! Alles in allem bin ich wieder vom 17. Platz auf den 9. Platz vorgerückt
.
Ca. 100 km vor Schluss fuhren wir alle auf einen riesigen Stau auf. Während rund 30 Minuten ging einfach gar nichts mehr! Grund war ein folgenschwerer Selbstunfall eines grossen Lastwagens. Langsam wurde es mir zu bunt, ich wendete und bog über ein matschiges Bord auf einen parallel zur Schnellstrasse verlaufenden Trampelpfad ab. Die ganze Meute folgte mir, auch Einheimische. Das ging ca. 1 Kilometer gut und wir konnten die Unfallstelle in ca. 50 Meter Abstand passieren. Plötzlich kamen uns viele andere Fahrzeuge entgegen. Offenbar hatte dort jemand die gleiche Idee wie ich und das Problem war, dass man kaum kreuzen konnte, resp. links war der Wald und rechts ein leicht abschüssiges Bord. Es drohte ein weiterer Verkehrskollaps! Zum Glück gab es kurz vor dem ersten Kreuzungspunkt eine Verbindungsspur vom Trampelpfad auf die Schnellstrasse, allerdings sehr matschig und rutschig. Das war für 'Luisa' kein Problem: 4-Rad Antrieb rein und durch! Problemlos erreichte ich die Schnellstrasse, stellte aber sogleich 'Luisa' am Strassenrand ab und begann, die andere Rallye-Teams zu dieser Durchfahrt zu motivieren, indem ich ihnen zu verstehen gab, mit 'voll Guzzi' durchzufahren. Das gelang allen - schliesslich sind das keine Anfänger
! Auch die Einheimischen mit 4x4 Fahrzeugen kamen - mit einer Ausnahme - problemlos durch, bis dann der erste Jeep eines Einheimischen vor der Auffahrt auf die Schnellstrasse im Matsch stecken blieb. Er fuhr einfach zu zögerlich! Nichts ging mehr! Wenigstens verhielt er sich derart ungeschickt, dass er weiter abrutsche, abdrehte und die Durchfahrt für die anderen wieder frei wurde. So konnte ich alle unmittelbar mir folgenden Rallye-Teams wieder auf die sichere Strasse lotsen.
Natürlich habe ich dann versucht, den Einheimischen Jeep-Fahrer aus dem Dreck zu ziehen. Offenbar gibt es in Brasilien Fahrzeuge der Marke Jeep, welche nicht über einen Allradantrieb verfügen oder er wusste nicht, wie man ihn einschaltet (habe aber auch keinen entsprechenden Schalter gefunden ...). Via Übersetzung-App gab ich ihm zu verstehen, dass ich ihn nur rausziehen könne, wenn er seine Abschleppöse montieren täte, ansonsten das Fahrzeug beim Ziehen an der Frontachse Schaden nähme. Das virtuelle Fragezeichen über dem Kopf des Fahrers nahm beängstigende Ausmasse an, er wusste nicht einmal, was das ist, seine Frau auch nicht! Also machte ich mich auf die Suche und öffnete als Erstes die kleine Plastikabdeckung an der Front seines Fahrzeuges. Im Kofferraum wurde ich theoretisch fündig. Es gab in der Reserveradmulde eine Aussparung für so eine Abschleppöse, aber die war leer! Da kann auch das beste Zugfahrzeug nichts mehr machen und nach diversen vergeblichen Schiebeversuchen vor und zurück musste ich die beiden unverrichteter Dinge zurücklassen, denn mir drohte die Zeit wegzulaufen. Im Gallopp nahmen 'Luisa' und ich die restlichen Kilometer unter die Räder und erreichten das Ziel gerade noch innerhalb der vorgegebenen Zeit (sie wäre allerdings verlängert worden).
Erkenntnis 1: Der Veranstalter empfiehlt bei solchen Rallyes dringend, vorne wie hinten fix montierte Abschlepphaken anzubringen. Jetzt wisst ihr, warum.
Erkenntnis 2: Neue Fahrzeuge können ohne diese leicht zu montierenden Abschleppösen nicht ohne Schaden am Vorbau abgeschleppt werden. Ich bin sicher, dass meine geneigte Leserschaft genau weiss, wo bei ihrem (neuen) Fahrzeug dieser Haken verstaut ist und wie man ihn montiert
!
Wir sind jetzt im traumhaft gelegenen Hotel Das Cataratas mitten im Nationalpark Foz do Iguacu angekommen. Die Fahrzeuge mussten wir draussen auf einem bewachten Parkplatz abstellen, dann ging es mit einem Shuttle-Bus ins ca. 5 km entfernte Hotel.
Das Nachtessen in Form eines ausgezeichneten Barbecues fand draussen statt. Meine vorangegangenen AktivItäten machten schnell die Runde und überall wurde mir gedankt und auf die Schulter geklopft. Ich habe aber die mir offerierten Drinks vorsichtshalber allesamt ausgeschlagen, resp. auf später vertröstet, sonst hätte ich die Bar kriechend verlassen müssen
. Aber ein gutes Gefühl war es trotzdem!
... und: Ich habe ja Abenteuer gebucht --> gefällt mir ![]()
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Da ich gestern recht früh und so nüchtern wie noch nie auf einer solchen Rallye am Vorabend eines Ruhetages ins Bett gegangen bin, war ich auch schon früh wieder auf, frühstückte und nahm den alle 20 Minuten fahrenden Shuttle zu unserem Parkplatz. Dort angekommen, nahm ich die Massestromverbindungen nochmals unter die Lupe und schloss den 2 Tage zuvor überbrückten Hauptschalter wieder richtig an. Allerdings nahm der seinen Dienst nicht mehr zuverlässig auf, so dass ich ihn übebrückt liess. Jetzt muss ich halt jeden Abend/Morgen die Batterie abklemmen, aber das dauert keine Minute. Vielleicht finde ich mal an einer Tankstelle einen passenden Batteriepolschalter.
Beim Anlasser habe ich auf Anraten eines der Mechaniker das Rotorgehäuse entfernt, den Rotor herausgenommen und gereinigt. Leider hat das die Sache vorerst verschlimmbessert: Der Anlasser klackte nach diesem Eingriff nur noch, während er vor dem Eingriff noch lief. Dafür war jetzt ziemlich sicher klar, dass hier die Ursache des Problems lag. Also habe ich nochmals aufgeschraubt und den ringförmigen Kupferkontakt auf der Rotorwelle leicht aufgerauht. Und siehe da: Der Anlasser funktionierte wieder einwandfrei!
Interessanterweise hatten zwei weitere Rallye-Fahrzeuge das gleiche Problem und bei beiden war der gleiche Anlasser - ein kompaktes und drehmomentstarkes Teil - eingebaut wie bei 'Luisa'. Auch 'Luigi' und 'James' haben solche Anlasser und auch bei diesen Fahrzeugen hatte ich ähnliche Symptome. Ob da ein generelles Produkteproblem vorhanden ist? Ich werde dem zu Hause nachgehen müssen.
Ansonsten hatte ich wenig zu tun: Beim defekten Scheibenwischer musste ich nur die Mutter, welche den Wischerarm auf die Drehachse drückt, nachziehen. Hinten links habe ich die Schlusslichtbirne gewechselt und auch die Scheibenwaschanlage geht wieder, nachdem ich Wasser aufgefüllt habe
. Sonst war leichtes Putzen angesagt, wenigstens die Scheiben und Lichter. Mehr macht bei den aktuellen Wetterbedingungen keinen Sinn!
Was gestern Abend gerüchteweise die Runde machte, wurde heute Mittag zur Gewissheit. Wir werden mit grosser Wahrscheinlichkeit morgen nicht nach Parguay einreisen, wo aktuell eine Staats- und Bankenkrise herrscht. Rund die Hälfte der Einwohnenden - also 3 Millionen Leute - haben bei einer der grössten Digitalbanken ein Konto, auf das sie teilweise nicht mehr zugreifen können. Der Präsident steht wegen Interessenskonflikten massiv unter Druck und in der Hauptstadt Asunción - da wären wir morgen hingefahren - kam es bereits zu ersten Ausschreitungen.
Auch wenn ich seit meiner letzten Südamerika-Rallye im Herbst 2020 diesbezüglich schon recht sturmerprobt bin, halte ich diesen Entscheid für absolut richtig. Es ist aber noch nicht klar, ob wir nochmals eine Nacht hier bleiben (wäre natürlich traumhaft
) oder schon morgen direkt nach Argentinien einreisen und dann dort einen zusätzlichen Ruhetag einschalten werden.
Ich werde hier heute Abend noch einen Nachtrag schreiben, soabld ich mehr weiss.







