Gaucho Trail Motor Challenge 04.11.2026 - Day 3: Santa Crus do Sul to Chapeco (460 km)

Nachtrag von gestern Abend um 21:30 Uhr schon gelesen?

Noch ein Nachtrag zu diesem Nachtrag: Bei anderen Rallye-Veranstaltern (zB. Rally the Globe wink) werden Rundkurse anders bewertet. Alle Fahrzeuge sind in sog. Klassen eingeteilt (ist generell so) und zwar gemäss Jahrgang und dann bei den Nachkriegsfahrzeugen auch nach Hubraum. Es wird also darauf geachtet, dass alle Fahrzeuge innerhalb einer Klasse ungefähr gleich stark sind.

Auf den Rundkursen erhält der Schnellste einer Klasse jeweils 0 Strafsekunden. Der Zweite bekommt so viele Strafsekunden, wie er hinter dem 1. Platz liegt. Sind es mehr als 3 Sekunden, bekommt er maximal 3 Sekunden. Und dann geht es mit allen weiteren Plätzen genau gleich weiter. Bezugsgrösse ist immer der vordere Platz. Gemäss dieser Rechnung hätte ich gestern maximal 3 Strafsekunden eingesammelt, weil ich mit 8 Sekunden Rückstand hinter dem Range-Rover auf dem 2. Platz lag ... (da konnte der Beifahrer die Codeboardes während dem Fahren aufschreiben).

Aber eben: Die Bedingungen waren allen von Anfang an bekannt!


Die Startliste hat jetzt erstmals geändert, ich starte neu im hinteren Mittelfeld und nichtmehr am Schluss. Heute standen 4 knackige Regularities auf dem Programm, dafür kein Rundkurs smiley. Gerne hätte ich euch von einem entspannten Tag mit viel Informationen zu Land und Leute berichtet, aber Erstens kommt es anders als man Zweitens denkt!

Die ganze Nacht hat es geschüttet, geblitzt, gedonnert und gestürmt. 'Luisa' machte am Morgen keinen Wank, genau das gleiche Phänomen wie am 1. Tag. Nach dem Auschecken habe ich mit Bob, einem langjährigen und mir bestens bekannten Mechaniker alle Masseverbindungen überpüft, sogar den Hauptschalter überbrückt und mit Hammer auf den Anlasser geklopft. Alles half nichts, wir mussten 'Luisa' anschleppen, was problemlos gelang. Aber 30 Minuten waren schon verloren. Beim späteren Tanken habe ich den Motor natürlich laufen lassen, welcher ziemlich schnell heiss lief. Da habe ich doch ziemlich gestaunt, denn genau diese Situation habe ich zu Hause in meiner Werkstatt mehrfach getestet. Offenbar hatte die thermodynamische Kupplung des Ventilators nicht eingehängt. Also fuhr ich schnell los, damit 'Luisa' Fahrtwind bekam. Nach ca. 1.5 km war alles wieder im normalen Bereich und die besagte Kupplung funktionierte bei allen weiteren Wartevorgängen einwandfrei! Keine Ahnung, was die Ursache war.

Heute Morgen haben wir unwetterbedingte Streckenänderungen in Form einer neuen Roadbookseite erhalten. Leider habe ich eines der neuen Zeichen nicht exakt genug beachtet, da ich ziemlich am Aufholen war. So bin ich falsch abgebogen und zu früh die Berge . Dummerweise passte das nächste Symbol bestens zu den örtlichen Gegebenheien und ich schöpfte daher keinen Vedacht. Erst nach rund 18 km, als ich bei strömendem Regen immer weniger Spuren sah und ohne Allradantrieb kaum mehr weiter kam, habe ich angehalten und den Wegpunkt des Regularity-Startes direkt in meinem Garmin erfasst. Oha, dieser lag ziemlich woanders!

Zurückzufahren war keine Option, denn wegen meiner morgendlichen Verspätung würde ich den Startpunkt der Regularity nicht rechtzeitig erreichen. Also habe ich den Bildschirm des Garmin aufgezoomt und in der Tat einen Trampelpfad als direkte Verbindung gefunden smiley. Also: Augen zu, resp. auf und durch! 'Luisa' lässt sich in solchen Fällen nicht 2 Mal bitten. Manchmal spurstabli, manchmal nicht, pflügten wir in behendem Tempo rund 11 km diesen Trampelpfad entlang. Die Scheibenwischer hatten viel zu beseitigen, am Anfang wenigstens, nachher fiel der Beifahrer-Scheibenwischer aus, was aber nicht weiter störte, denn dort sass ja niemand.

Ich fuhr direkt auf den angesteurten Wegpunkt zu und fuhr beinahe vollständig aus dem Grünzeug kommend, seitlich auf die wartende Regularity Autokolonne auf. Diese staunten mindestens so wie ich, denn eigentlich hätten diese alle schon weg sein müssen.

Hier wäre eine Bodenbrücke gewesen, welche wir hätten durchfahren müssen.
Hier wäre eine Bodenbrücke gewesen, welche wir hätten durchfahren müssen.
Hier wäre eine Bodenbrücke gewesen, welche wir hätten durchfahren müssen.
Warten, warten und warten auf den Start ...
Warten, warten und warten auf den Start ...
Warten, warten und warten auf den Start ...

 

Laufend kamen von hinten weitere Fahrzeuge angefahren, ich habe also mit meiner 'Abkürzung fast das halbe Rallye-Feld überholt devil.

Wie ich später erfahren habe, hat sich eine Mehrheit noch viel stärker verfahren als ich und ein Team in einem Porsche hatte überhaupt keine Ahnung mehr, wo  sie waren. Natürlich habe ich sie aufgeklärt. Die Regulartity selber verlief mit 4 Sekunden Strafzeit bei diesen Bedingungen mindestens zufriedenstellend.

Die 2. Regularity wurde abgesagt, ebenso die letzte am Abend, also blieb nur noch diejenige nach dem Mittagessen. Über Mittag stellte ich 'Luisa' auf ein nahegelegenes Hügelchen, damit ich sie anrollen lassen konnte. Das war aber nicht nötig, denn den Anlasser funktionierte wieder tadellos (auch heute Abend vor dem Hotel), da soll mal einer schlau werden surprise. Übermorgen ist Ruhetag, dann werde ich mich darum kümmern.

Die Regularity ging leider komplett bachab, weil einer meiner Tripmaster plötzlich den Geist aufgegeben und ich die zurückgelegte Wegstrecke verloren hatte. Zwar habe ich einen GPS-Backup, aber der differierte nach rund 10 km um mehrere 100 Meter. Die anderen beide Tripmaster habe ich schon mehrmals zurückgesetzt, weil mehrere Schnittwechsel zu bewältigen waren. Also hatte ich nirgends mehr die Gesamtstrecke verfügbar und es gab knifflige Abzweigungen sad. So resultierte eine Strafzeit von 1 Minute ...

Eine 1. Begutachtung des Schadens zeigte, dass der Sondenkopf abgerissen war. Vermutlich kam ein Steinchen dazwischen. Ich werde die Sonde erst am Ruhetag wechseln, ich muss mich einfach etwas anders organisieren, dann sollte es gut gehen!

Das Fahren auf den brasilianischen 2-spurigen Schnellstrassen ist mühsam! Man kann fast nirgends überholen und wenn ein grosser Sattelschlepperzug - und von denen hat es viele - mit einem weiteren Anhänger den Berg hockriecht, kommt der auf maximal 25 km/h. Zudem hat es den ganzen  Tag geregnet und gestürmt, vielerorts war auch starker Nebel vorhanden. Vor kurzem muss es hier in der Gegend gewaltig gestürmt haben, es hat vielerorts massive Schäden an Gebäuden und Reklametafeln.

So, das Abendessen lasse ich heute aus, lese noch etwas Zeitung und gehe früh schlafen. Hoffentlich klappt es morgen besser!

Schwere Sturmschäden in der Gegend um Chapeco
Schwere Sturmschäden in der Gegend um Chapeco
Schwere Sturmschäden in der Gegend um Chapeco