Gaucho Trail Motor Challenge 01.11.2026 - Day 0: Scrutineering & Signing On
Der gestrige Abend verlief für mich relativ ereignislos. Es gab ein gutes Essen (viel zu viel) und die Crew des Veranstalters (ca. 20 Personen) wurde vorgestellt. Eine Unterhaltung war auf Grund des Lärmpegels kaum zu führen und der Weisswein hatte eine deutlich spürbare Tendenz in Richtung Einrollen der Magenschleimhäute. Also war ich schon um 10 Uhr wieder im Zimmer ...
Ich staunte nicht schlecht, doch der Reihe nach:
- Ca. um 16:00 Uhr klopfte es an der Türe und draussen stand ein Hotelangestellter mit einem Wäschesack. Da ich nichts in die Wäsche gegeben hatte, wies ich den Inhalt (ca. 10 Paar Socken) ab und der Hotelangestellte trollte sich.
- Darauf ging ich nach draussen um die letzten Sonnenstrahlen zu geniessen. Bei meiner Rückkehr stand der besagte Wäschesack im Zimmer auf dem Tischchen, 3 Doppelpaare Socken fein säuberlich davor aufgereiht (Bild 1). Ok, dachte ich, dann lasse ich diese einfach liegen, denn farblich waren diese Socken eine Herausforderung, sogar für mich und das will etwas heissen
. - Ich ging zum Essen und jetzt bei der Rückkehr war der Wäschesack immer noch da, aber diesmal mit 4 Doppelpaaren Socken in einer etwas angenehmeren Farbe (Bild 2).
- Ich werde heute Abend die Zimmertüre verriegeln, wer weiss, was die mir noch unterjubeln wollen!
Ach ja, fast hätte ich es vergessen: In Chile müssen wir möglicherweise mit Schnee rechnen!
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Bei strahlendem Wetter und nach gut geschlafener Nacht bin ich schon 07:00 Uhr aufgestanden und gleich frühstücken gegangen. Um 09:00 Uhr konnte ich alle Unterlagen abholen und mit denen habe ich mich aufs Zimmer verzogen. So nach einer ersten Durchsicht der Roadbooks und der weiteren Unterlagen sollte das für mich alleine gut machbar sein, aber ich werde noch etwas vorbereiten müssen, damit ich entspannt fahren kann.
Kurz darauf klingelte das Hotel-Telefon und die Receptionistin fragte mich, ob bei mir noch ein paar Socken aus der Wäscherückgabe im Zimmer seien ... Ja, das waren sie
, aber zum Glück nicht mehr lange, denn kaum eine Minute später wurden diese inklusive Wäschesack mit vielen Entschuldigungsworten abgeholt. Die Hotels in Südamerika scheinen hier einanhaltendes Problem zu haben, denn schon auf der Rallye Lima to Cape Horn im Jahr 2022 ist mir Ähnliches widerfahren.
Um 10:30 Uhr ging ich zu 'Luisa' und wartete auf das scrutineering-Prozedere, welches bei mir von Tony, dem langjährigen Chef-Mechaniker der Organisation durchgeführt wurde. Das ging kaum 3 Minuten und er meinte nur: Wenn alle Fahrzeuge so gut vorbereitet und alle Fahrer so gut organisiert wären wie ich, würde er jetzt schon Feierabend machen können. Das hat mich natürlich gefreut
!
Kaum war ich zurück im Zimmer, klingelte das Hotel-Telefon erneut und die Frage war: Ob es denn noch etwas im Zimmer an Kleider gäbe, welche nicht mir gehören. Ich schaute herum und verneinte, denn der falsch gelieferte Wäschesack war ja abgeholt worden. Kurz darauf klopfte eine Hotel-Assistentin an die Türe und fragte ganz zerknirscht, ob sie in den Kästen nachschauen dürfe. Sie durfte und in der Tat waren in einem gut getarnten Kasten noch 3 Hemden und eine Hose aufgehängt, welche definitiv nicht mir gehörten. Da ich keinen dieser Kästen selber belegt hatte, ist mir das natürlich nicht aufgefallen. Aber jetzt sollte dann alles seine Richtigkeit und ich meine Ruhe haben!
Nachtrag: Auf der Hotel-Rechnung wurden mir 61 Dollar für diesen falschen Wäscheservice belastet. Leider habe ich dies erst nach der Kreditkartenzahlung bemerkt. Es war weder eine Stornierung der ursprünglichen Rechnung noch eine Gutschrift möglich, da bei der 1. Belastung aus Sicherheitsgründen die Kreditkartennummer gewechselt wurde (das ist wirklich so und korrekt). Eine Barrückzahlung war nicht möglich, da prinzipiell kein Geld an der Reception ist (ebenfalls aus Sicherheitsgründen) und am Sonntag die betreffende Autoritätsperson nicht anwesend sei. Ich hätte aber die 61 Dollar an der Bar versaufen dürfen. Viel hätte es bei diesen Preisen nicht gegeben, aber ich hatte schlichtwegs keine Lust! Nach 20 Minuten hin und her wurde es mir zu bunt und ich ging!
I was not amused!
Mit den Vorbereitungen kam ich gut voran und konnte mir im EXCEL mit Hilfe meines handgestrickten VBA-Programmes für (fast) jede Regularity eine eigene Schnitttabelle kreieren und auf dem mitgenommenen Thermotransferdrucker ausdrucken. Diese Zettel klebe ich dann beim Start der entsprechenden Regularity auf mein Steuerrad, so dass ich das Roadbook, die drei Tripmaster wie auch die passende Schnitttabelle gut im Auge habe (die Strasse natürlich auch
). Trotzdem wird es anspruchsvoll werden. Praktisch alle Regularities finden auf unbefestigten Strassen statt, weisen Durchschnittsgeschwindigkeiten von 45-50 km/h auf und gemäss dem mitgelieferten Kartenmaterial geht es häufig steil aufwärts. Da wird 'Luisa' einiges zu tun haben!
Es gibt auch einige DTC/STC-Prüfungen: Dabei startet man zu einer vollen Minute an einem bestimmten Punkt und muss in einer vorgegebenen Zeit (meistens so im Bereich von 5 bis 20 Minuten) an einem nächsten Zeitkontrollpunkt sein. Solange man innerhalb der vorgegebenen Minute dem Marshall das Zeitkontrollblatt hinstrecken kann, erhält man keine Strafe. Navigiert wird nach Roadbook und/oder Koordinatenpunkten. Es versteht sich von selbst, dass die Zeitvorgaben derart eng sind, dass nur sehr leistungsstarke Fahrzeuge mit hochmotivierten Fahrern (ist doch nett gesagt, oder?) die Zeiten einhalten können. Die Durchschnittsgeschwindigkeiten betragen in der Regel 60 bis 90 km/h - egal bei welchem Wetter - und alles findet natürlich auf Sand- und Kiesstrassen statt. Bei dieser Art von Prüfungen wird 'Luisa' nicht vorne mithalten können ...
Wir werden auch einige 'echte' Rundkurse auf Rennstrecken fahren und auch da werde ich nicht vorne mitmischen können. Von den gemeldeten Fahrzeuge sind alleine 9 Porsche 911 (Anteil 20%) gemeldet, welche zusammen mit den 5 Datsun 240 Z die vorderen Plätze unter sich ausmachen werden (sofern sie auch navigieren können
).
Alles in allem wird es eine anspruchsvolle Rallye werden, aber gerade darauf habe ich mich ja auch gefreut und tue es immer noch! Wie die Erfahrungen aus vergangenen Long-Distance-Rallyes gezeigt haben, kann es ganz viele andere Faktoren geben, welche das Schlussresultat beeinflussen werden, ua. das Wetter ...
So, fertig für heute. Das Nachtessen lasse ich aus und gehe früh schlafen. Morgen stehen ca. 560 km Fahrt sowie der Grenzübertritt nach Brasilien auf dem Programm. Ich starte als letztes der 42 Fahrzeuge um 08:12 Uhr.



