The Road To Ticino Rückreise auf (sehr) verschiedenen Wegen ...
Auf der Rückreise sind wir getrennte Wege gegangen (nein, wir hatten keinen Streit
). Röbi ist schon am Freitagmorgen abgefahren und hat die gleiche Strecke wie auf der Hinfahrt unter die Räder genommen, während ich nochmals einen Segeltag angehängt habe und erst am Samstagmorgen gestartet bin.
Wie mir Röbi noch gleichentags geschrieben hatte, sei er wohlbehalten nach rund 8 Stunden und ohne Pannen zu Hause angekommen. Er sei allerdings irgendwo in einer 50-er Zone geblitzt worden ... (hoffentlich bekommt er ein Foto, das glaubt ihm sonst niemand
).
Am Samstagmorgen bin ich um 09:00 Uhr abgefahren und kam zügig voran. Im Gegensatz zu Röbi hatte ich die Strecke über den San Bernardinopass gewählt. Wir dürfen ja mit unseren Fahrzeugen offiziell nur 30 km/h fahren und weder Autobahnen noch daran angeschlossene Strassentunnel nutzen. Die vorgesehene Strecke war wie folgt:
'Henry' schnurrte friedlich und störungsfrei vor sich hin. Auch der Wackel-Zündungsschalter verzichtete auf jegliches Wackeln und so konnte ich alles in der Stellung 'Magnet' fahren.
Die Querung von Bellinzona war wegen des vielen Verkehrs etwas mühsam. Vor allem die Fussgänger waren ein Ärgernis, denn diese liefen - teilweise den Kopf ins Handy vertieft - im letzten Augenblick und ohne auf den Verkehr zu achten auf den Fussgängerstreifen und erschraken umso mehr, wenn sie erkannten, welcher Stossstange sie gerade noch rechtzeitig entkommen waren. Das Enhalten eines gebührenden Abstandes zum vorderen Fahrzeug war zwar möglich, aber die Lücke wurde häufig durch ein aus einer Seitenstrasse startendes Fahrzeug geschlossen.
Ab Lostallo ging es dann immer steiler den Berg hoch und ich musste fast alles im kleinen Gang fahren, was 'Henry' aber nicht weiter zu stören schien. Gut gelaunt kam ich im Dorf San Bernardino an und tankte 'Henry' bei der Socar-Tankstelle auf. Obwohl 'Henry' weder Überhitzungs- noch Ermüdungserscheinungen zeigte, genoss auch ich ein Getränk und ass mein mitgebrachtes Sandwich sowie fast die Hälfte meines Basler-Läckerli Vorrates
.
So gestärkt nahmen wir die verbleibenden 7.4 km bis zur Passhöhe in Angriff. Alles lief problemlos bis ca. 1 km vor der Passhöhe: Plötzlich gab es einen kleinen Knall, der Motor drehte hoch und 'Henry' blieb mitten in einer Steigung und vor einer Haarnadelkurve stehen. Ausser dem Motor lief nichts mehr, weder vorwärts noch rückwärts
. Lediglich die auf die Kardanwelle wirkende Friktionsbremse ging noch und so konnte ich das Fahrzeug rückwärts an den Strassentand rollen lassen (die Handbremse und die Hupe wären auch noch gegangen). Der Verdacht lag nahe, dass im Getriebe irgendetwas gerissen oder gebrochen war!
Das Aufschrauben des Getriebedeckels brachte keine neuen Erkenntnisse, von aussen war nichts zu erkennen. Der Motor lief weiterhin bestens, aber das Drücken der Pedale lies 'Henry' kalt. Er bewegte sich keinen Millimeter mehr. Ich schraubte alles wieder zusammen und lies 'Henry' rückwärts bis zur nächsten Kurve rollen, wo ich wenden und dann vorwärts weiter talabwärts rollen konnte. Ich wollte wenigstens wieder zur Socar-Tankstelle gelangen und dort auf den avisierten Pannendienst warten. Das gelang problemlos: Mit Hilfe der noch funktionierenden Friktionsbremse und in Abwechslung mit der Handbremse rollte ich langsam und fast geräuschlos talwärts. Zweimal hielt ich an und prüfte die Temperatur der Trommelbremsen. Alles war im grünen Bereich.
Eine knappe Stunde später erschien der Abschleppwagen des TCS, welcher 'Henry' sorgfältig auflud und festzurrte. Der junge Chauffeur mit Tessiner Wurzeln war begeistert von diesem Transport; noch nie hatte er ein solches Fahrzeug auf seinem Anhänger. Die ganze administrative Abwicklung gestaltete sich - trotz oder gerade wegen modernster technischer Hilfsmittel - als schwierig, da mein Ford T als Fahrzeugmodell nicht im EDV-System des TCS erfasst war. Das altbekannte und unbeliebte , weil unstrukturierte 'Bemerkungsfeld' kam zu neuen Ehren und wurde bis an den Rand der Kapazitätsgrenze ausgefüllt.
Mit meiner elektronischen Unterschrift besiegelte ich den Transportauftrag von 'Henry' und mir, bekam ein Spezialbillet Break & rail (1. Klasse) in die Hand gedrückt und kurz darauf fuhren wir zum Bahnhof in Bellinzona, diesmal auf der Autobahn. Unterwegs erzählte mir der sympathische junge Fahrer in bestem Englisch von seinen täglichen Erlebnissen auf der Strasse und seiner Freude an älteren Fahrzeugen, wo man häufig noch etwas vor Ort reparieren könne. Meistens müsse er heute 'China-Schüsseln' transportieren und das sei mit der Zeit langweilig.
In Bellinzona bestieg ich den wegen eines technischen Problemes verspätete (
) Intercity nach Zürich. Leider konnte ich dem Kondukteur den auf dem Billet verlangten Pannenrapport nicht vorweisen, da dieser wegen der notwendigen unvollständigen Dateneingabe im Pannenauftrag nicht erstellt werden konnte. Nach Schilderung meines Pannenerlebnisses wie der Präsentation von 'Henry' auf dem Anhänger des TCS drückte der Kondukteur ein Auge zu und liess mich unbehelligt weiterfahren. Ab Zürich hat dann niemand mehr kontrolliert ...
So ist also unser Road to Tessin Marathon - allerdings nur für mich - nicht ganz erfolgreich zu Ende gegangen. Wenigstens habe ich keine Geschwindigkeitsbusse erhalten
!
Ein schönes Erlebnis war es allemal und wenn 'Henry' in den nächsten Tagen wohlbehalten zu Hause abgeliefert wird, ist die ganze Reise glimpflich und trotzdem erfolgreich abgelaufen.










