06.05.2012 - 15.05.2012 18. Korsika Rallye

Und schon ist sie wieder vorbei, die Korsika-Rallye 2012! Wohlbehalten sind Irene und ich gestern Nachmittag in Winterthur angekommen. Unsere Isabella (Rockne Jahrgang 1932, aus dem Hause Studebaker) hat uns zuverlässig und für ihr Alter mit unüblich wenig ‚Zicken‘ nach Korsika und wieder zurück gebracht, alles in allem rund 3‘000 Kilometer! Die Hauptprobe für die Rallye Peking-Paris im Mai/Juni 2013 ist mehr als geglückt! Sowohl ausgedehnte Vollgasfahrten mit (realen) über 110 km/h als auch kilometerlange, absichtlich forciert gefahrene Holperpisten hat die alte Lady problemlos weggesteckt und uns zuverlässig von Etappe zu Etappe gefahren. Dabei hat sie uns einiges abverlangt, denn es sind weder eine Servolenkung, noch eine Servobremse noch eine Servokupplung, geschweige denn Sitze mit Seitenhalt vorhanden. Mein Muskelzuwachs am Oberkörper und in den Waden muss sichtbar gewesen sein, denn gegen Ende der Rallye hat man mich nur noch ‚Arnie‘ gerufen. Auch Irene hat an Muskulatur zugelegt, denn die mindestens 10‘000 Kurven (gefühlte 100‘000) haben von ihr und den Haltegriffen einiges abverlangt.

Ausser einem verstopften Benzinfilter und einem verlorenen Benzindeckel trat keine einzige Komplikation auf und ich konnte mein ganzes mitgenommenes Werkzeugarsenal den anderen Teilnehmern zur Verfügung stellen. Diese hatten doch immer wieder mal so dieses oder jenes Problemchen (abgerissenes Vorderrad, losgelöster Lenkstock, defekter Auspuff, defekter Reifen, kein Öldruck usw.) und waren froh, auf die Hilfe von Röbi und mir zurückgreifen zu können. Sogar das abgerissene Vorderrad konnten wir mit Spannset und ähnlichem soweit befestigen, dass das Fahrzeug noch rund 5 km weit selber bis zur Werkstatt rollen konnte. Nur ein einziges Fahrzeug musste mit irreparablem Schaden schon kurz nach Beginn der Rallye gegen ein Mietauto eingetauscht werden. Bei näherem Betrachten des Fahrzeuges soll der Veranstalter so etwas wie ‚Gammelbock‘ gemurmelt haben, zum Glück hat der Fahrer nichts gehört! Apropos Bock: Wie jedes Jahr sind wir auch diesmal jeder Menge wildlebenden Haustieren begegnet. Meistens standen sie überraschend an unübersichtlicher Stelle beim Kurvenausgang. Nur die bevorstehenden Ziegenherden konnten wir dank den Böcken in der Herde schon frühzeitig riechen und das Tempo drosseln.
Kulinarisch wurden wir wiederum auf die für Korsika typische Art verwöhnt. Das mit Knochen servierte Schafsragout am zweitletzten Mittag war einfach köstlich und auf Grund der vorgefundenen Knochensplitterung ist mir jetzt auch klar, wie diese Tiere gejagt und erlegt werden …

Im Gegensatz zu den Rallyes der beiden Vorjahre, an welchen ich mit dem Ford Mustang teilgenommen habe, hatten wir zu Beginn der Rallye etwas Mühe, trotz mehrheitlich voll durchgedrücktem Gaspedal in der vorgegebenen Zeiten zu bleiben. Das hat uns einige Strafpunkte wegen Zeitüberschreitung eingebracht. Den richtigen Weg haben wir aber trotzdem immer auf Anhieb gefunden, so dass wir am Schluss den 1. Rang in der Kategorie ‚Vorkriegsfahrzeuge‘ und den 2. Gesamtrang erreichten. An diesem Resultat ist zu erkennen, dass noch Potential vorhanden ist.

Auf dem eher monotonen Heimweg von Savona via Mailand nach Winterthur kam auf den letzten drei Kilometern doch noch etwas Leben in die Bude! Gut in Winterthur angekommen, wollte ich von der Zürcherstrasse in die Schlosstalstrasse einbiegen und wartete bei der Lichtsichtanlage auf das grüne Licht. Kaum hatte ich den Scheitelpunkt der Kurve erreicht (direkt vor ‚unserem‘ Pneuhaus Ciccone), gab es einen Knall und wird wurden abrupt gebremst und buchstäblich vom linken Hinterrad überholt, welches sich ohne Schaden anzurichten zwischen 2 stehenden Fahrzeug auf der anderen Strassenseite in die Gebüsche beim Burger-King verabschiedete. Irene und ich waren kaum ausgestiegen, da kam schon Herr Ciccone mit 4 (vier!) seiner Mitarbeitern und einem grossen Wagenheber angerannt und keine 10 Minuten später war das Ersatzrad montiert, das kaputte Rad eingesammelt und wir wieder im Auto unterwegs (ok, zugegeben: In der Formel 1 geht das noch etwas schneller, aber die haben das ja auch geübt!). Tatsächlich hat sich also die Felgenbefestigung rund um die 5 Befestigungsmuttern exakt in dieser Kurve in einige Bestandteile aufgelöst und losgerissen. Röbi und ich haben schon vor der Rallye diskutiert, ob wir für Peking-Paris nicht noch bessere Räder anschaffen wollen. Der Entscheid ist jetzt gefallen …

Übrigens: Auch Sybille und Röbi haben mit ihrem Ford A Jahrgang 1930 die ersten 6 Etappen mit Bravour gemeistert. Erst bei der Schlussetappe mussten sie passen, weil ein Blatt des Kühlerventilators angerissen war und geschweisst werden musste. Für eine Klassierung unter den ersten drei hat es zwar nicht ganz gereicht, aber sie haben den Pokal für eine ‚besondere sportliche Leistung‘ verdient gewonnen. Allerdings ist ihre sportliche Leistung nicht immer auf Gegenliebe gestossen: Als sich nach der ersten Etappe ein Fahrer aus dem nördlichen Nachbarland mit einem geradezu modernen Mercedes aus den 70-er Jahren unmittelbar nach der Ankunft beim Veranstalter beklagte, dass diese Etappe ja kaum zu bewältigen sei, kamen gerade Sybille und Röbi um die Ecke gebraust. Eine bessere Antwort hätte der sonst nie um einen guten Spruch verlegene Veranstalter wohl nicht gefunden.

In den nächsten Monaten werden Röbi und ich den Rockne nochmals auf Herz und Nieren prüfen, einige Optimierungen vornehmen (der Whiskey-Flaschenhalter ist etwas ungünstig positioniert), bevor wir ihn dann Ende Februar 2013 zu einem Hafen bringen und ihn Richtung Peking einschiffen.

Das Auto

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Rockne Six 75 - 1932

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